25. November | Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

70 Jahre Frauen im Blick

Foto: Claudia Jaspers

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist ein Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen, der jährlich am 25. November stattfindet.
Aktuell wird das Thema Häusliche Gewalt von vielen Diensten, Institutionen und Einrichtungen gesehen und aufgegriffen. Auch seitens der Politik gibt es Kampagnen zum Thema.
Dass das nicht immer so war, wissen die Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes katholischer Frauen [SkF], die schon lange Zeit mit von Gewalt betroffenen Frauen arbeiten. Die Frauenberatungsstelle im SkF blickt dieses Jahr auf 30 Jahre zurück und das Frauenhaus im SkF wurde vor 40 Jahren gegründet. Zusammengenommen sind das 70 Jahre Erfahrung mit frauenspezifischen Problemlagen.
Gewalt gegen Frauen wurde in den 1970er Jahren durch die Frauenbewegung zum Thema. Rund um den Globus hatten sich im Umfeld der Protestbewegungen der späten 1960er Jahre Frauengruppen gebildet, die im Austausch ihrer persönlichen Erfahrungen mit Einschränkungen und Zwängen zunehmend offen über erlittene und befürchtete männliche Gewalt sprachen. International waren ebenfalls weltweit die Diskriminierung von Frauen und ihr oft fehlender Zugang zu Grundrechten zum Thema geworden.
Frauenhäuser als Reaktion auf Gewalt gegen Frauen
Als Reaktion auf die Notlagen von Frauen aus Misshandlungsbeziehungen wurden die ersten Frauenhäuser in Deutschland gegründet. In Würzburg waren es die sogenannten „autonomen Frauen“, die sich im Rahmen ihres Frauennotrufs für von Gewalt betroffene Frauen einsetzten. Aus den Erfordernissen der Finanzierung heraus entstand das Würzburger Modell, nach dem zwei Frauenhäuser in Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden von der Stadt Würzburg finanzielle Unterstützung erhielten. Die Arbeiterwohlfahrt und der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. stellen seit 1980 je ein Frauenhaus zur Verfügung. Das gemeinsame Jubiläum der beiden Würzburger Frauenhäuser, für das u.a. ein Fachvortrag geplant war, musste Corona-bedingt leider entfallen.
Das Frauenhaus im SkF stand von Beginn an im fachlichen Austausch mit der offenen Beratungsstelle für Familienhilfe und -beratung im SkF. Aus dieser offenen Beratung entwickelte sich das Konzept der Frauenberatungsstelle mit den Fachdiensten Betreuungsverein, Straffälligenhilfe für Frauen und Frauenberatung, die 1990 offiziell gegründet wurde und unter anderem Frauen mit erlebter häuslicher Gewalt sozialpädagogische Unterstützung bot und bis heute bietet.
Der Fachdienst Frauenberatung in der Frauenberatungsstelle unterstützt und berät Frauen, von der jugendlichen Heranwachsenden bis zur Frau in hohem Alter, in ihrer geschlechtlichen Identität bei allen auftauchenden Themen, Fragen oder konflikthaften Krisen.
Die thematische Offenheit der Frauenberatung schafft einen niederschwelligen Zugang
Gewalterfahrungen, wie  Grenzüberschreitungen, Abwertung, körperliche und emotionale Gewalt und sexualisierte Gewalt werden häufig erst im Laufe der Beratung geäußert, da diese besonders schambesetzt sind.
Stellt sich heraus, dass es für die Gewaltsituation eine Fachberatung durch die Kolleginnen des Frauenhauses bedarf, wird durch die enge Kooperation schnell Kontakt hergestellt.
Umgekehrt vermitteln Mitarbeiterinnen des Frauenhauses an die Kolleginnen der Frauenberatungsstelle weiter. Besonders für Frauen, für die ein Aufenthalt im Frauenhaus nicht nötig ist, welche aber längerfristige Beratung und Begleitung wünschen, stellt die Frauenberatung ein weiterführendes Beratungsangebot dar, wie im Beispiel von Frau T.:
Frau T. meldete sich im Frauenhaus aufgrund der sich zuspitzenden Gewaltsituation in ihrer Partnerschaft. Zunächst erarbeitete sie mit einer FH-Mitarbeiterin einen individuellen Sicherheitsplan und erhielt Unterstützung bei der Beantragung eines Kontakt- und Näherungsverbotes. Für eine längerfristige Begleitung vermittelte ihr die Sozialpädagogin den Kontakt zur Frauenberatung in der Frauenberatungsstelle.
Hier bekam Frau T. die Unterstützung, ihre Gewalterfahrung in Gesprächen zu thematisieren und zu verarbeiten. Sie nahm an dem Angebot WenDo – Selbstbehauptung- und Selbstverteidigung für Frauen teil und hatte Begleitung bei den Veränderungswünschen ihr Leben betreffend. Neue Perspektiven wurden gemeinsam erarbeitet und die Frauenberatung unterstützte bei der Umsetzung.
Es ist immer eine Überwindung, die eigene Geschichte zu erzählen, es ist immer ein sehr mutiger und wichtiger Schritt. Die Frau allein entscheidet, was sie braucht. Wichtig ist es nicht allein in und mit einer Gewaltsituation zu bleiben. Wir wollen von häuslicher Gewalt betroffene Frauen ermutigen erste Schritte für sich und evtl. Kinder zu wagen.

Die beiden Würzburger Frauenhäuser sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar:
AWO   0931- 619810
SkF     0931- 4500777
Die Frauenberatungsstelle ist zu folgenden Zeiten unter 0931-450070 erreichbar:
Montag bis Freitag                              09:00 bis 12:30 Uhr,
Montag, Mittwoch und Donnerstag  13:30 bis 16:00 Uhr.

Franziska Boes, Leiterin des Frauenhauses im SkF
Claudia Widmann, Leiterin der Frauenberatungsstelle im SkF


auch lesenswert: Ein Interview von Dr. Sebastian Schoknecht zum Thema
Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (caritas-wuerzburg.de)

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