Laden ...

Sozialdienst katholischer Frauen weist Vorwürfe im Zusammenhang mit der Debatte um das „Nordische Modell“ entschieden zurück

08.05.2026  | Tags: SkF Gesamtverein, Pressemitteilungen, Sexarbeit, Sexarbeit und Prostitution, Statement

Der Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein (SkF Gesamtverein) widerspricht entschieden dem Vorwurf, durch sein Engagement für Frauen in der Sexarbeit seine christlichen Werte zu verraten. Der Vorwurf war im Rahmen einer Veranstaltung in der Katholischen Akademie in Berlin am 5. Mai 2026 erhoben worden.

Der SkF lehnt ein Sexkaufverbot ab, weil fachliche Praxis, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrungen der Beratungsstellen zeigen: Verbote drängen Sexarbeit in die Unsichtbarkeit – und machen Betroffene schutzloser gegenüber Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel.

Wir stehen damit im Einklang mit den zentralen Empfehlungen der Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes sowie mit der Position zahlreicher Fachverbände und Beratungsstellen: Nicht Kriminalisierung schützt Menschen, sondern Rechte, niedrigschwellige Hilfen und sichere Zugänge zum Unterstützungssystem.

Wer Menschenhandel wirksam bekämpfen will, braucht keine Symbolpolitik, sondern verlässliche Beratungsstrukturen, bessere Rechtsdurchsetzung und echte Ausstiegsperspektiven für Betroffene.

Der SkF arbeitet seit seiner Gründung mit Frauen in prekären Lebenslagen – darunter auch mit Menschen in der Sexarbeit. Schon Agnes Neuhaus, Gründerin des SkF, hatte sich für Frauen in der Prostitution eingesetzt. In zahlreichen Ortsvereinen begleiten und beraten Fachkräfte seit Jahrzehnten sexarbeitende Personen, unterstützen beim Zugang zu Schutz, Gesundheitsversorgung, sozialer Sicherung, Ausstiegsmöglichkeiten und existenzieller Stabilisierung. Diese praktische Expertise basiert auf konkreter sozialarbeiterischer Erfahrung mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Wer sich mit dem Thema „Prostitution“ beschäftigt, muss die Heterogenität von Sexarbeit zur Kenntnis nehmen, komplexe soziale Realitäten anerkennen und empirische Forschung ernst nehmen. Wer Fachverbänden wie dem SkF, die seit Jahrzehnten konkrete Unterstützung leisten, vorwirft, ihre Werte zu verraten, weil sie wissenschaftliche Evidenz, Praxiserfahrung und die Stimmen Betroffener ernst nehmen, verlässt den Boden einer sachlichen Debatte.

Der SkF steht für eine Soziale Arbeit, die sich an Menschenrechten, Selbstbestimmung, Gewaltschutz und fachlicher Professionalität orientiert – nicht an moralischen Vereinfachungen.

Gerade in hochkomplexen Feldern wie Sexarbeit und Menschenhandel braucht es Differenzierung statt Symbolpolitik. Wer ernsthaft Schutz schaffen will, muss sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Betroffenen orientieren und die Wirksamkeit politischer Maßnahmen kritisch prüfen.

Der SkF setzt sich auch weiterhin dafür ein
  • dass Betroffene Zugang zu niedrigschwelliger Unterstützung erhalten,
  • dass Schutzkonzepte auf Praxiserfahrung und Forschung beruhen,
  • dass unterschiedliche Lebensrealitäten anerkannt werden,
  • dass sozialpolitische Debatten nicht auf Kosten derjenigen geführt werden, die ohnehin gesellschaftlich stigmatisiert sind.

Eine ernsthafte Diskussion über Gewalt, Ausbeutung und Schutz in der Sexarbeit erfordert Respekt vor Fachlichkeit, die Bereitschaft zur Differenzierung und die Einbeziehung der Perspektiven Betroffener.

2026-05-06_Auszug_KNA_BRIEFDIENST.PDF

pdf 71.34 KB

Herunterladen